Köln, der 15. Dezember 2017

Kölsche Begriffe

und Erklärungen

Bleche Botz
Herkunft
Ehemaliges Kloster der Clarissen „Zu den Schutzengeln“ (1640 gegründet).
Am Umbau zu einem Gefängnis beteiligte sich der Maurer Johannes Butz und der als „Bleche Alexander“ bekannte Blechschläger Alexander Hittorf (Vater des Architekten Jakob Ignatz Hittorf). Von dem Namen der Handwerker leitete sich auch der volks-tümliche Name „Bleche Botz“ ab, den das Gefängnis erhielt. In der kölschen Sprache sagt man: „Dä kütt en de Blech!“ (Der kommt ins Gefängnis). Ab 1838 trug das Gefängnis die Bezeichnung: „Alte Straf- und Korrektionsanstalt für Weiber“.
Gebäudegeschichte
Von ca. 1800 bis 1904 Kölner Gefängnis (Arrest- und Correktionshaus) an der Ecke Krebsgasse/Schildergasse. Wurde 1904 für den Neubau des Kölner Polizeipräsidi-ums abgerissen.
Inhaftierte
Hier saßen 300 Inhaftierte in 86 Zellen ein: Untersuchungsgefangene, Strafgefangene, Schutzhaftgefangene, Transportgefangene, Zuchthäusler. Es diente auch der Erziehung von Fürsorgezöglingen (schwierige Kinder also … Correktions-haus). In Gemeinschaftszellen, bis zu 36 Personen fassend, schliefen sie zu Zweit auf einer Pritsche. Eiserne Bettstellen bekamen nur Kranke. Preußisch korrekt wurde erlassen: Zum Lager dient ein Strohsack, der pro Person mit 3 Pfund Stroh dreimal im Jahr gefüllt und weitere dreimal mit 8 Pfund nachgefüllt wurde. Im Sommer pro Person eine Wolldecke. Im Winter derer zwei.

Knubbelisch
Dieser „Kosename“ bezieht sich auf meinen Nachnamen – Knoblich –. Er gilt quasi als Verniedlichung des Namens. Speziell als Kind, klein und dick, wurde ich schon in der Grundschule Bernkasteler Str. in Köln – Zollstock so gerufen. Heute höre ich auf Knubbelisch … und das gerne.

Klingelpötz
Herkunft
Klingelpütz: Straßenname taucht im 13. Jahrhundert zu ersten Mal auf. Pütz, hoch-deutsch: Pfütze, lateinisch Puteus. Seit 1426 Gelände des Augustiner Chorherren-stifts „Herrenleichnam“. Im Jahre 1812 Umbenennung der Straße durch die Franzo-sen in „Rue Jean de Weer“. Dieses setzte sich jedoch nicht durch. Preußisches (Rheinisches) Zentralgefängnis zu Cölln am Klingelpütz (1838 – 1968). Adresse zu-letzt: Strafgefängnis und Untersuchungshaftanstalt Köln, Klingelpütz, 5000 Köln.
Inhaftierte
Eine Verfügung der Cöllner Regierung von 1833 besagt: Die zu erbauende Anstalt soll den erforderlichen Raum für 300 Zwangs-Arbeitsstraffällige und 500 Correk-tionärs gewähren, zusammen 800 Köpfe. Bei dem Entwurfe ist vor allen Dingen zu berücksichtigen, dass sie folgende Classen von Gefangenen zu verwahren hat und dass außer der Trennung nach Geschlechter, auch eine Trennung dieser Classen stattfinden muss: 1. Correktionell Verurteilte beiderlei Geschlechts, 2. Inquisiten, d.h. solche, welche wegen Criminalverbrechen in das Justizarrest verwiesen werden, 3. Untersuchungsgefangenen wegen Vergehen, 4. Kinder, welche auf Verlangen ihrer Eltern eingesperrt werden (als Kind wurde mir von älteren Erwachsenen gedroht: „Wann de dich nit benemme deis, küsste en d´r Klingelpötz!“), 5. Schuldner, 6. Gefangene, welche sich auf Transport befinden.
Gebäudegeschichte
Der Klingelpütz war ein vierflügeliger Kreuzbau, wobei 1834-38 drei, dreigeschossige (später aufgestockt) und von 1843-45 der vierte, viergeschossige Flügel (Hafthaus 1) fertiggestellt worden ist. Das Mittelgebäude wies die Gestalt eines Oktogons auf und nahm die Küche, Verwaltung und das Materiallager für die Werkbetriebe (später Anstaltskirche) auf. Von 1892-96 wurde entlang des Geronswalls ein weiteres, vier-geschossiges Hafthaus für männliche Strafgefangene (Hafthaus 3: 204 Haftplätze) errichtet. In den Hafthaushöfen befanden sich ein kombiniertes Wasch- und Back-haus (später zur Anstaltsküche mit Kühlhaus ausgebaut), ein Vorratshaus, ein Sprit-zenhaus, das Anstaltslazarett und eine Kapelle. Das dreigeschossige Pfortenge-bäude enthielt neben der überwölbten Zufahrt Wachstuben und Aufenthaltsräume für die Beamten. In den zwei Obergeschossen waren 14 Zellen für „Schuld- und son-stige distinguierten Gefangenen“ eingerichtet. Die Anstalt enthielt weiterhin zwei Be-amtenwohnhäuser, das Direktorwohnhaus inkl. zweier Wohnungen für Aufsichts-beamte und das Inspektorwohnhaus. Weitere Beamtenwohnungen befanden sich an der Klingelpützstraße sowie an der Vogteistraße (insgesamt 21 Beamtenwohnung-en).
Der erste Direktor Blankenhorn berichtete dem Polizeidirektor, „dass von einzelnen umliegenden Häusern, sowie vom inneren Wall aus (Stadtmauer stand zu dieser Zeit noch vollständig), welcher die nördliche Seite der Anstalt begrenzt, Verbindungen mit den Gefangenen durch Zeichen und Winken erfolgte. Selbst Speicherfenster wurden gemietet und sogar Seilerbuden auf dem Wall erstiegen, um Verbindungen mit den Gefangenen anknüpfen zu können. Seitens der Anstalt sind gegen diesen Missstand bereits sofort die Flurfenster mit Staketen versehen worden.“
Das Oktogon wurde während des Peter und Paul-Luftangriffs am 29. Juni 1943 durch einen Bombenvolltreffer bis zu den Kellermauern völlig zerstört (das „alte“ Köln ging in dieser Nacht unter). Nach dem Krieg wurden alle Gebäude in Köln in Zerstörungs-grade gruppiert. Der Klingelpütz wurde danach zu 60-70% zerstört. Im Jahre 1946 setzte der Wiederaufbau ein. Im Jahre 1952 waren alle Haft- und Nebenhäuser wie-der aufgebaut, sodass der Generalstaatsanwalt Köln die Belegung auf 988 Haft-plätze festsetzen konnte. Es wurden 14 Dienstwohnungen im Pfortengebäude, ein weiteres Beamtenwohnhaus sowie die Ausgestaltung zweier Obergeschosse eines Wirtschaftsgebäudes als Anstaltskirche installiert.
Belegung
Der Klingelpütz war fast zu jeder Zeit voll belegt. Die Einzelzellen waren stets mit 3 Mann belegt. In den Sieben-Mannzellen drängten sich bis zu 10 Personen. Die höch-ste Belegung wurde im 2. Weltkrieg erreicht: 1.700 Gefangene, davon über 300 Frau-en. Die Durchschnittsbelegung betrug in den 60er Jahren 1.200 Gefangene. Zur Stammbesatzung zählten 162 Vollzugsbeamte und 39 Verwaltungsbeamte.
Versorgung
Zur Verpflegung der Gefangenen und zum Abtransport der Exkremente wurde „gekübelt“ (Knastsprache). D.h. die Gefangenen hatten ein eisernes Gestell mit einer Schüssel auf ihrer Zelle. Die Notdurft wurde darauf verrichtet und morgens von hierzu eingeteilten Gefang-enen beseitigt, also in Kübel entleert.
Mit der Verpflegung wurde ähnlich verfahren. Die Zellen hatten keine Wasserversorgung.